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Corona-Baby – Von der Notlösung zum Erfolgsmodell

Meldung vom 19.03.2025

Vor fünf Jahren legte die Corona-Pandemie das gesellschaftliche Leben lahm, der Zugang zu Kultur war versperrt. Aus dieser Krise entstand eine Idee, die bis heute wirkt: "Bei Anruf Kultur". Was vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. (BSVH) und grauwert, Büro für Inklusion und demografiefeste Lösungen, als kreative Antwort auf den Lockdown begann, hat sich inzwischen zu einem deutschlandweit etablierten Angebot entwickelt. Fast 100 Museen und Kulturinstitutionen ermöglichen mittlerweile inklusive Telefonführungen – für Menschen, die auch nach dem Ende der Pandemie noch keinen Zugang zu Kultur hätten.

Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. (BSVH) und grauwert, Büro für Inklusion und demografiefeste Lösungen, starteten „Bei Anruf Kultur“ 2021 gemeinsam mit Hamburger Museen. Die Idee: Kultur trotz des Lockdowns erlebbar zu machen. Schnell zeigte sich jedoch, dass das Angebot weit über die Pandemie hinaus einen wichtigen Zugang schafft – für Menschen mit Sehbehinderungen, eingeschränkter Mobilität, finanziellen Hürden oder geografischer Distanz. Die Nachfrage wuchs rasant: Bereits im ersten Jahr fanden 75 Führungen statt, 2024 waren es schon 203.

Heute nehmen Interessierte aus ganz Deutschland per Telefon an den Live-Führungen teil. Expertinnen und Experten führen sie durch Ausstellungen, Denkmäler, Gedenkstätten, Städte und Gärten. Sie beantworten Fragen und regen Diskussionen an. Das Besondere: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erleben Kultur interaktiv, inklusiv und barrierefrei – unabhängig von Wohnort oder Einschränkungen.

Eine aktuelle Evaluation zeigt: Über die Hälfte der Teilnehmenden ist über 60 Jahre alt, 75 Prozent sind Frauen, und 45 Prozent leben allein. Zudem haben viele eine oder mehrere Einschränkungen, die ihnen den Zugang zu Kultur erschweren. Nur etwa ein Drittel gibt an, keine Behinderung zu haben. Das zeigt: „Bei Anruf Kultur“ schließt eine große Lücke in der Kulturvermittlung.

„Es ist ein großer Erfolg, dass wir mit unserem Angebot Menschen erreichen, die in der Kulturvermittlung oft übersehen werden. Gleichzeitig bieten wir Kulturstätten eine Möglichkeit, dies zu ändern“, erklärt Melanie Wölwer, Projektleiterin von „Bei Anruf Kultur“. „Unser Ziel ist es nun, das Angebot langfristig zu etablieren. Dafür sind wir auf Förderungen, Sponsoren und Spenden angewiesen.“

Aktuell wird „Bei Anruf Kultur“ durch Aktion Mensch und die Behörde für Kultur und Medien Hamburg gefördert. Doch um das Projekt nachhaltig zu sichern und weiter auszubauen, sind zusätzliche finanzielle Mittel erforderlich.

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